16. Januar 2026

Das deutsche Fernsehen schafft sich ab – und merkt es nicht einmal

Während das ZDF sich an Andrea Kiewel klammert und RTL 90 Millionen für Stefan Raab verbrennt, offenbart das lineare Fernsehen damit seine ganze Hilflosigkeit. Abschalten! […]

Das Problem ist indes nicht Kiewel selbst – sie macht ihren Job, wie sie ihn immer gemacht hat. Das Problem ist ein öffentlich-rechtlicher Sender, der jede Veränderung als Zumutung begreift. Das ZDF hat den Stillstand zum Geschäftsmodell perfektioniert.

Während Streaming-Plattformen mit mutigen Produktionen um Aufmerksamkeit buhlen, während sich Sehgewohnheiten in rasantem Tempo wandeln, verwaltet das bräsige Mainz lieber den Status quo. […]

Doch wer glaubt, das Privatfernsehen mache es besser, irrt. RTL hat gerade demonstriert, wie man mit enormem Kapitaleinsatz noch schneller scheitern kann. 90 Millionen Euro für Stefan Raab – ein Vertrag, den Programmchefin Inga Leschek einst als klügste Entscheidung ihrer Karriere pries.

Heute klingt das wie bittere Selbstironie. „Die Stefan Raab Show“ dümpelt quotenmäßig vor sich hin, während parallel 600 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Erfahrene Journalisten, langjährige Redakteure, Menschen, die über Jahre Sendungen mit Substanz geprägt haben – sie alle werden geopfert, damit ein Entertainer, dessen Glanzzeit über ein Jahrzehnt zurückliegt, weiter vor schwinden­dem Publikum auftreten kann.

Auch hier zahlt am Ende der Zuschauer – nur eben auf Umwegen. Werbung finanziert das Privatfernsehen, und die Kosten dafür landen in den Preisen der beworbenen Produkte. Wer einkaufen geht, sponsert indirekt auch Raabs teures Comeback. […]

Was wir gerade erleben, ist das parallele Scheitern zweier Strategien, die beide in dieselbe Sackgasse führen. Das ZDF verharrt in Bewegungslosigkeit und hofft, dass die Zeit stehen bleibt – abgesichert durch Pflichtgebühren, die jeden Veränderungsdruck neutralisieren. RTL wirft Millionen auf vermeintliche Heilsbringer und hofft, dass große Namen automatisch große Quoten bedeuten. Beide irren. Beide verweigern sich der unbequemen Erkenntnis: Das lineare Fernsehen ist am Ende.

https://www.berliner-zeitung.de/panorama/das-deutsche-fernsehen-schafft-sich-ab-und-merkt-es-nicht-einmal-li.10014293

Quelle: DIMBB-Medien

 

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