Der Bundesverband der Fernsehkameraleute (BVFK) hat im Spätsommer 2025 eine anonyme Online-Umfrage unter freien EB-Kameraleuten und EB-Teams in Deutschland durchgeführt. Ziel war es, die reale Honorarsituation sowie die strukturellen, sozialen und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen freier EB-Arbeit systematisch zu erfassen.
Die Ergebnisse liefern ein selten klares Bild einer Branche, die von Preisdruck, Unsicherheit und fehlenden Standards geprägt ist:
Klare Marktpreise – aber struktureller Druck
Die Auswertung zeigt einen stabilen, real existierenden Marktpreis:
Ein EB-Team erzielt im Median rund 1.100 Euro netto pro Drehtag, während Single-EB-Leistungen bei etwa 795 Euro liegen. Der Abstand von rund 300 Euro gilt als zu gering, um zusätzliche Koordination, Haftung und organisatorischen Aufwand eines Teams realistisch abzubilden. Faire Tageshonorare lägen nach Simulationen eher bei 900 bis 1.150 Euro für Single-EB und 1.250 bis 1.500 Euro für EB-Teams.
Reisetage werden üblicherweise mit 500 bis 600 Euro vergütet, Kilometerpauschalen bewegen sich um 0,50 Euro pro Kilometer. Regionale Unterschiede spielen kaum eine Rolle – niedrigere Preise lassen sich geografisch nicht begründen.
Arbeitszeit, Kosten und reale Einkommen
Ein durchschnittlicher Drehtag dauert knapp zehn Stunden, effektiv rund neun Stunden. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Netto-Stundenlohn von etwa 122 Euro. Dieser Betrag muss jedoch sämtliche unternehmerischen Kosten decken – von Versicherungen über Altersvorsorge bis zu Equipment, Steuern und Ausfallzeiten. Die Daten widersprechen damit deutlich der verbreiteten Annahme, EB-Kameraleute würden außergewöhnlich hohe Einkommen erzielen. Tatsächlich zeigt sich ein eher knapper Unternehmerlohn.
Auch bei Spesen, Zuschlägen und halben Drehtagen fehlen einheitliche Standards. Nacht-, Wochenend- oder Feiertagszuschläge werden uneinheitlich gehandhabt, teilweise gar nicht berechnet. Das unterstreicht die strukturelle Intransparenz des Marktes.
Angstkultur und Eingriffe in die Selbstständigkeit
Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von Eingriffen in ihre unternehmerische Freiheit, etwa durch Preisvorgaben, Equipment-Festlegungen oder eingeschränkte Spesenregelungen. Gleichzeitig zeigen sehr negative Vertrauenswerte gegenüber Auftraggebenden und innerhalb der Branche eine ausgeprägte Angstkultur, die offene Kommunikation und Preistransparenz verhindert. Viele Strukturen weisen Merkmale möglicher Scheinselbstständigkeit auf.
Soziale Realität: Unsicherheit, Stress und gesundheitliche Folgen
Der zweite Teil der Studie beleuchtet die Lebens- und Arbeitssituation freier EB-Kamerapersonen. Rund drei Viertel berichten von Existenzängsten, ähnlich viele fürchten Einkommensausfälle im Krankheitsfall und fühlen sich unzureichend fürs Alter abgesichert. Trotz individueller Vorsorge bleibt ein Gefühl struktureller Unsicherheit.
Die Arbeitsbelastung ist hoch: Etwa die Hälfte nennt gesundheitliche Beschwerden wie Rücken- und Schulterprobleme, Schlafstörungen oder Erschöpfung. Elternschaft wird häufig als wirtschaftliches Risiko wahrgenommen, verbindliche Unterstützung durch Auftraggebende fehlt meist.
Auch beim Thema Diversität zeigt sich ein gespaltenes Bild. Viele sehen weiterhin strukturelle Benachteiligungen und eine stark männlich dominierte Branche, zugleich bestehen Generationenkonflikte zwischen jüngeren und erfahrenen Kameraleuten.
Fazit: Systemische Probleme statt Einzelfälle
Die BVFK-Umfrage macht deutlich, dass sich in der deutschen EB-Branche reale Marktpreise zwar stabil gebildet haben, gleichzeitig jedoch massive strukturelle Defizite bestehen. Dazu zählen fehlende Preisstandards, eingeschränkte Selbstständigkeit, soziale Unsicherheit und hohe gesundheitliche Belastungen. Die Ergebnisse liefern damit ein starkes Argument für- gemeinsame Mindesthonorare,
- transparente Vertragsstrukturen und
- bessere soziale Absicherung freier EB-Kameraleute in Deutschland.
Lasst uns gemeinsam Lösungen finden!
Bei Ideen dazu oder Interesse an Mitarbeit bezüglich entsprechender Verhandlungen meldet Euch bei uns:
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Euer BVFK