Paramount+ hat sich bekanntermaßen ab der Saison 2027/28 für vier Jahre den größten Teil der deutschen Champions-League-Rechte gesichert. Das war bereits eine Überraschung. Noch erstaunlicher ist, was der Konzern nun offenbar damit vorhat. Nach Informationen der Sport Bild sollen die 184 von 203 Spielen tatsächlich selbst gezeigt und nicht an DAZN, Sky oder einen anderen etablierten Anbieter sublizenziert werden. Die Suche nach Moderatoren, Kommentatoren und Experten hat demnach bereits begonnen. Ob eine eigene Redaktion entsteht oder ein Produktionsdienstleister übernimmt, sei noch offen. Diese Entscheidung kann zunächst verwundern. Die amerikanische Mutter steht nach der Übernahme von Warner Bros. Discovery unter gewaltigem Konsolidierungsdruck. Der neue Konzern wird rund 79 Milliarden US-Dollar Nettoschulden tragen und verspricht Synergien von mehr als sechs Milliarden US-Dollar. Paramount und Warner müssen Technik, Plattformen, Vermarktung und Verwaltung zusammenführen, Kosten senken und entscheiden, was langfristig aus Paramount+ und HBO Max wird. Eigentlich ist das die klassische Situation, in der jeder Geschäftsbereich überprüft und ein teures Rechtepaket, das noch unter anderen Umständen erworben wurde, möglichst schnell refinanziert wird. In Deutschland geschieht offenbar das Gegenteil. Paramount verzichtet auf Sublizenzerlöse und übernimmt zusätzliche Produktions-, Personal- und Vermarktungsrisiken.
Umso interessanter ist da die Frage, wer diesen neuen deutschen Sportsender eigentlich aufbaut. Dass Sport Bild ausgerechnet CBS-Sports-Chef David Berson zitiert, spricht für eine zentrale Steuerung aus den USA. Die erfolgreiche amerikanische Champions-League-Show wird wiederum von IMG in London produziert. Für Deutschland braucht es jedoch ein eigenes On-Air-Team und lokale Produktionskompetenz. Denkbar wäre daher eine Matrix aus CBS Sports, dem deutschen Paramount-Team und einem externen Dienstleister wie thinXpool, DAZN oder RTL/Sky. Und dann ist da ja auch noch Eurosport. Mit Warner Bros. Discovery kauft Paramount schließlich eine bestehende europäische Sportorganisation gleich mit. Es wäre schwer verständlich, diese Kompetenz nicht zu nutzen und parallel eine komplett neue Struktur aufzubauen. Möglicherweise wird aus der vermeintlichen Personalsuche deshalb bald eine Integrationsaufgabe? Die strategische Logik bleibt dennoch erkennbar. Die eigene Auswertung verspricht Abonnenten, Nutzungsdaten, Werbeinventar und direkten Kundenzugang. Paramount hat also nicht nur Fußballrechte gekauft, sondern versucht, sich mit ihnen einen festen Platz im deutschen Streamingmarkt zu erkaufen. Damit wird Deutschland zum Testfall einer bemerkenswerten Gegenbewegung.
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Quelle: DIMBB-Medien







