18. August 2026

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Abstimmen, bis das Ergebnis passt?

Der Eklat um die gescheiterte Wiederwahl von BR-Kulturchef Björn Wilhelm sorgt weiterhin für Ärger im Sender. Während die Intendantin den Grund des Widerstands sucht, wird der Rundfunkrat immer rebellischer. […]

Dass ein Personalvorschlag der Geschäftsleitung im Rundfunkrat nicht durchgeht, gilt traditionell als nahezu ausgeschlossen. Meistens haben die Rundfunkräte gar keine Wahl im Sinne einer Auswahl – so war es auch im Fall Björn Wilhelms, er war der einzige Kandidat für den Posten des Programmdirektors Kultur. Es muss viel zusammenkommen, wenn ein Gremium mit Mehrheit eine Personalie blockiert, die eine Intendantin oder ein Intendant als Wunsch einbringt. Weil das so selten vorkommt, haftet den Rundfunkräten, nicht nur dem des BR, über die Jahre der Ruf an, willfährige Abnickgremien zu sein, die ihrer Aufsichts- und Kontrollpflicht bei der Auswahl des Führungspersonals nur ungenügend nachkommen. Umso größer und weitreichender ist die Wucht, wenn das passiert, was gerade im BR geschah. […]

Die Nervosität im BR jedenfalls ist spürbar. Zwei Programmbereichsleiterinnen des Senders haben es als hilfreich erachtet, ein Unterstützerschreiben zu initiieren und dem Rundfunkrat zu übermitteln. Knapp 70 Personen mit Leitungsfunktion haben es unterzeichnet, vor allem Programmbereichsleiter, Hauptabteilungs-, Abteilungs- und Redaktionsleiterinnen. […]

Fragt man bei Rundfunkräten und Menschen aus der Kulturszene ganz allgemein und unabhängig von der geplatzten Abstimmung mal nach Gründen, die gegen Wilhelm sprechen könnten als Programmdirektor Kultur, werden eine ganze Reihe genannt – und längst nicht von allen dieselben. Doch drei Komplexe kristallisieren sich heraus: Die von vielen als missglückt wahrgenommene Programmreform des Kulturradios Bayern 2 – und vor allem die als ungenügend empfundene Einbindung des Rundfunkrats in diese Reform, immerhin haben einige mittelbar vom Umbau betroffene Kulturinstitutionen einen Sitz im Gremium. Dann hört man von einer so wahrgenommenen Unzugänglichkeit Wilhelms, verbunden mit Kritik an seinem Kommunikationsstil, der von Künstlern und Kulturvertretern vielfach als unverbindlich oder auch abweisend empfunden werde. Björn Wilhelm hat sich, heißt es in den Gesprächen, in der Kulturszene offenbar einen Ruf gemacht als jemand, der keinen engen Kontakt zu ihr sucht und sich in seinen viereinhalb Jahren in Bayern nicht ausreichend vernetzt hat. Der dritte kritisierte Punkt ist ein als Desinteresse empfundenes Fremdeln Wilhelms mit allem, was mit Brauchtum, Traditionspflege, also mit dem explizit Bajuwarischem in der Kultur zu tun hat.

https://www.sueddeutsche.de/medien/bjoern-wilhelm-br-programmdirektor-wahl-rundfunkrat-li.3527519

 

Quelle: DIMBB-MEDIEN-News

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