Nicht abschalten, sondern weiterentwickeln wollte der WDR in Köln seinen Sender Cosmo. Und macht ihn jetzt zur Unkenntlichkeit klein.
Der WDR beschließt, einen sprachlich und kulturell einzigartig vielfältigen Sender einzustampfen: Cosmo soll sich unter dem Namen 1Live Street nun auf Hip-Hop konzentrieren. Schlechter kann man nicht sparen. […]
Nun gibt es unter den derzeit noch 70 Radiosendern der ARD auch Verzichtbares, 17 sollen bis 2027 wegfallen. Doch beim WDR trifft es ausgerechnet Cosmo. Der bislang eigenständige Sender wird ein Unterprogramm des erfolgreichen Popsenders 1Live und dort inhaltlich entkernt. Das verwundert und hat zu breitem Protest geführt, denn Cosmo sendet in eine riesige Marktlücke. Er richtet sich an einen großen Bevölkerungsanteil, der von den Öffentlich-Rechtlichen eher vernachlässigt wird: Migranten und Menschen mit Migrationsgeschichte. Ein Drittel bis ein Viertel der Menschen in diesem Land also, ein Millionenpublikum. […]
Doch Weiterentwicklung bedeutet nun offenbar: Als Unterprogramm von 1Live wird Cosmo auf die Zielgruppe unter 30 Jahren verengt und soll sich auf Hip-Hop fokussieren. Wie sollte man durch eine solche Verengung mehr Potenzial ausschöpfen? […]
Der Rundfunkrat des Senders hat dem am Mittwochnachmittag zugestimmt, „nach intensiver Diskussion“, 25 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und einer Enthaltung. […]
Bislang konnte man den Sparbemühungen in der ARD vor allem Ineffizienz vorwerfen. Am Beispiel von Cosmo sieht man, dass es tatsächlich die Programme trifft, die den öffentlich-rechtlichen Auftrag auf einzigartige Weise erfüllen.
https://www.sueddeutsche.de/medien/wdr-cosmo-umbenennung-ende-kritik-li.3493317
Hinweis der Redaktion: Das Programm von 1LIVE STREET entspricht dann im Gegensatz zu COSMO nicht den Vorgaben des WDR-Gesetzes. Nach Paragraf 3 Absatz 3 muss der WDR ein Hörfunkprogramm anbieten, „das sich vor allem Themen des interkulturellen Zusammenlebens widmet“ – und dies ohne Altersbeschränkung.
Quelle epd-Medien









