7. Mai 2026

Die stille KI-Invasion im Journalismus

Stephan Weichert warnt davor, Künstliche Intelligenz im Journalismus nur als harmloses Hilfsmittel zu betrachten. Er argumentiert, dass KI schleichend Aufgaben übernehme, die bisher mit journalistischem Urteilsvermögen, Verantwortung und Sorgfalt verbunden seien. Das eigentliche Problem sei die stille Verschiebung von Zuständigkeiten zur Maschine. Weicherts Fazit: “Die eigentliche Bedrohung durch KI ist also nicht, dass von Robotern ersetzt zu werden. Sie ist weitaus unspektakulärer, aber gerade deshalb riskanter. Der Journalismus schafft sich selbst ab. Nicht aus Bosheit, sondern eher aus Trägheit.”

https://bildblog.de/153189/piraterie-oder-fair-use-stille-ki-invasion-br-aendert-klar-folge/

Inzwischen hat uns die Wirklichkeit überholt. Der Einsatz von KI ist in vielen großen Redaktionen selbstverständlich geworden – und Teil einer ökonomischen Verschlankungslogik, die in manchen Medienhäusern noch immer unterschätzt wird. Der professionelle Wandel vollzieht sich längst überall dort, wo KI unterstützt: beim Formulieren, Verdichten, Ordnen, Prüfen, Recherchieren. Nicht der große Knall markiert den Wendepunkt, sondern die schleichende Verschiebung von Verantwortung.

Das zeigt auch die Panne beim Der Spiegel im Herbst 2025, als in einer Meldung zur Abberufung der Bahn-Managerin Sigrid Nikutta ein Bearbeitungsvermerk von ChatGPT versehentlich unter dem Artikel stehenblieb („Wenn du magst, passe ich Ton und Detailtiefe…”). Der Spott in der Branche war unüberhörbar. Doch er verfehlte den Kern, war die Recherche doch solide. Die Panne entstand vielmehr im Herstellungsprozess am Balken, in der Nachtschicht. Und genau darin liegt ihre eigentliche Bedeutung: KI besetzt inzwischen jene Zwischenräume, in denen aus Recherchen Veröffentlichungen werden. […]

Wer heute über KI im Journalismus spricht, bezieht sich meist auf Tools, Leitlinien oder Einzelfehler. Tatsächlich werden erleben wir eine vollständige Neuordnung redaktioneller Arbeit. KI passt sich an, denkt mit. Sie verändert, wie Recherche organisiert und verantwortet wird. Sie verwandelt die Redaktion in einen zunehmend automatisierten Maschinenraum, in dem immer schwerer auszumachen ist, wo das journalistische Urteilsvermögen noch sitzt. Was heute als Assistenz oder Automatisierung erscheint, ist bei näherem Hinsehen ein Vorrücken in professionelle Zuständigkeiten.

Letztlich geht es um Machtfragen: Wer entscheidet, wie KI eingesetzt wird? Wer trägt Verantwortung für ihre Ergebnisse? Wer verliert im Zweifel seinen Platz in der Redaktion?

https://blog.medientage.de/die-stille-ki-invasion-im-journalismus

 

Quelle: DIMBB Medien

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