31. Juli 2026

Intendant der Bosse

 

SWR-Chef Kai Gniffke stört, dass der Journalismus sich angeblich nur als Anwalt der Benachteiligten versteht. Für die AfD ist sein Sender eine Plattform. Nun wirft er die Frage auf, ob die Demokratie noch wettbewerbsfähig ist. Ernsthaft? […]

Weniger Aufmerksamkeit erregte aber bisher, was Gniffke jüngst bei Dokville zum besten gab. Ihm gelang es schnell, dem ehrwürdigen Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof, wo Dokville seit neun Jahren stattfindet, ein Bierzelt-Flair zu verleihen. “Ist Demokratie in Zeiten dramatischen Wandels noch wettbewerbsfähig? Sind autoritäre Regime nicht immer im Vorteil, wenn es um Infrastrukturprojekte oder um Umsetzung und schnelle Adaption von Technologie geht?”, rief er ins Auditorium. […]

“Wir müssen Genehmigungsverfahren entschlacken und auch Beteiligungsrechte begrenzen”. Und: “Wir werden nicht umhinkommen, auch Rechtswege zu verkürzen.” Gniffke bezeichnet das als Maßnahmen zur “politischen und ökonomischen Ertüchtigung” der Demokratie. Will der SWR-Intendant also die Demokratie “ertüchtigen”, indem er ein bisschen davon abschafft? […]

Einer dieser “Reflexe”, die Gniffke nicht gefallen, ist die “Defizitorientierung”. Was meint er damit? Dass “wir” nach der Verkündung politischer Maßnahmen sofort nach Gegenstimmen suchen. Das sei “nicht illegitim”, aber “wir erliegen der Gefahr einer False Balance, in dem wir plötzlich irgendwann nur noch und in höherem Maße Gegenstimmen zu jedweden Maßnahmen berichten”. […]

Die kurioseste These in Gniffkes Rede lautet, im Journalismus kämen zu wenig Unternehmer zu Wort. “Journalismus versteht sich noch zu häufig als Anwalt der Schwachen, der Arbeitnehmer und der Benachteiligten”, kritisiert er.

https://www.kontextwochenzeitung.de/medien/800/intendant-der-bosse-11031.html

 

Quelle: DIMBB Medien

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