Der Rundfunkreformkrebs frisst sich durch die ARD. Während der WDR das einzige Migrantenradio der Republik abschalten will, vergreift sich der Mitteldeutsche Rundfunk an der Klassischen Musik. Am 12. Oktober beendet er die Übertragung von MDR Klassik über DAB plus. Dabei bewirbt die Länderanstalt das Programm als »Marke« im Verbund mit Sinfonieorchester, Chören und Plattenlabel. Eine Radiomarke, die im Radioapparat bald stumm bleiben wird. Die Senderchefs werden sich etwas dabei gedacht haben, und weil sie gerade beim Denken waren, dachten sie sich auch noch eine saudumme Begründung aus für die Verbannung ins Internet: »Mit der strategischen Weiterentwicklung (!) seiner Klassikangebote stärkt der MDR die digitale Verfügbarkeit.«
Die Klassikfreunde im Sendegebiet werden den Strategen die »strategische Weiterentwicklung« am Ende danken. Auf den DAB-plus-Frequenzen, auf denen noch Orchesterhäppchen heruntergedudelt werden, ist ab Herbst BR Klassik zu hören, ein gemütliches, antik designtes Radio. Also doch alle happy? Nein. Die Kollegen beim MDR kriegen heuer eine Nullrunde. Voller Verständnis für die Finanznot der Anstalt wegen der ausgebliebenen GEZ-Erhöhung sind die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen auf ganzer Linie eingeknickt. Immerhin soll es vielleicht Entschädigungen für langjährige Mitarbeiter geben, die »strategisch weiterentwickelt« wurden. So nennt man das, wenn sie einem die Jobs wegkürzen.
https://www.jungewelt.de/artikel/525198.die-strategen.html
Quelle: DIMBB-MEDIEN-News







