Welche Geschichten haben heute noch Chancen auf dem Serienmarkt – und wie viel Mut traut sich die Branche aktuell überhaupt noch zu? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das diesjährige Seriencamp in Köln, das im Juni erneut wichtige Stimmen aus der internationalen Serienlandschaft zusammenbringt.
Bereits im Vorfeld zeichnet sich dabei ein deutliches Bild ab: Der Markt hat sich verändert. Viele Produzent:innen und Sender agieren vorsichtiger als noch vor einigen Jahren. Projekte, die vor der Pandemie als innovativ oder außergewöhnlich galten, würden heute oft nicht mehr in Auftrag gegeben. Der Fokus liegt stärker auf kalkulierbaren Erfolgen und der Frage, welche Inhalte tatsächlich ein Publikum erreichen.
Gleichzeitig scheint sich die Branche zunehmend an bestehenden Sehgewohnheiten zu orientieren. Während in Ländern wie Südkorea oder China weiterhin experimentierfreudig mit Formaten, Genres und Erzählweisen gearbeitet wird, dominiert in Teilen Europas häufiger der Wunsch nach Sicherheit und Planbarkeit.
Interessant ist dabei jedoch ein gegenteiliger Trend auf kreativer Ebene: Die Zahl der Einreichungen für Pitchings beim Seriencamp ist so hoch wie nie zuvor. Besonders im Bereich der Autor:innen seien viele Stoffe mutiger, vielfältiger und experimenteller angelegt. Sobald Projekte jedoch bereits finanziert seien, werde deutlich konservativer gedacht als noch in den vergangenen Jahren.
Auch inhaltlich lassen sich neue Entwicklungen erkennen. Postapokalyptische Stoffe verlieren offenbar an Bedeutung, während historische Formate wieder stärker vertreten sind – trotz hoher Produktionskosten. Auffällig viele Geschichten beschäftigen sich zudem mit Figuren zwischen verschiedenen Lebenswelten, Identitäten oder gesellschaftlichen Realitäten. Insgesamt nimmt auch der Anteil fantastischer und genreübergreifender Stoffe wieder zu.
Die Diskussionen rund um das Seriencamp zeigen einmal mehr, wie stark sich der audiovisuelle Markt derzeit im Umbruch befindet – zwischen wirtschaftlichem Druck, Publikumsorientierung und dem Wunsch nach kreativer Erneuerung. Gerade für Bildgestalter:innen und Filmschaffende bleibt die Frage spannend, welche Geschichten künftig noch erzählt werden – und unter welchen Bedingungen.
Quellen: DWDL, Cine Arte







