29. Oktober 2026

Bayerischer Rundfunk setzt auf KI – geht er damit zu weit?

Mithilfe Künstlicher Intelligenz macht der öffentlich-rechtliche Sender nun Inhalte von BR24 und „Tagesschau“ zugänglich. Bayerns Zeitungsverlage reagieren skeptisch.

Seit Kurzem duzt einen der Bayerische Rundfunk. „Starte mit einem Überblick“, rät „Dein News-Assistent“ auf der Internetseite von BR24 und verspricht: „Recherchiert von uns. Zusammengefasst von KI.“ Angezeigt werden dann aktuelle Meldungen, Zusammenfassungen in drei unterschiedlichen Längen oder ein „News-Chat“ – ähnlich den Chatbots ChatGPT oder Google Gemini. Der BR-Bot erklärt: „Hallo! Ich beantworte Deine Fragen zu unseren Nachrichten“. Das öffentlich-rechtliche KI-Tool, das vor zwei Wochen in seine Pilotphase startete, wolle den Zugang zu den Inhalten von BR24 und „Tagesschau“ erleichtern, heißt es.

Doch von Anfang an ist es umstritten: Macht der News-Assistent, der für alle Landesrundfunkanstalten der ARD weiterentwickelt werden soll, privaten Medien, die sich selbst finanzieren müssen, unzulässige Konkurrenz? […]

Dass die überwiegende Mehrheit der unter 30-Jährigen Künstliche Intelligenz völlig selbstverständlich nutze, um an Informationen zu kommen – das wolle, könne und müsse der BR nicht aufhalten. Der eigene KI-News-Assistent sei „eine Art Türöffner in einen Wissensschatz aus geprüften Informationen“. Zuvor erklärte sie, der BR wolle dieses Feld nicht einer Handvoll Tech-Bosse überlassen, „die am Ende bestimmen, was wir sehen, hören und denken“. […]

Im Falle des News-Assistenten blicken die Verlage allerdings skeptisch auf das Angebot. Man werde in Ruhe prüfen, ob dieses „presseähnlich“ sei. „Fakt ist aber schon jetzt: Mit dem neuen KI-Newsbot haben die Telemedienangebote des BR mehr Text, nicht weniger“, sagt Markus B. Rick, Hauptgeschäftsführer des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger, auf Anfrage. […]

Nach Auffassung des BR bietet der News-Assistent lediglich veröffentlichte Inhalte „in anderer Form“ an. Er sei ein rein quellengestütztes Service- und Assistenzsystem, das direkt zu den Original-Audios, -Videos und -Artikeln verlinke. Kurzum: nicht presseähnlich gemäß des am 1. Dezember 2025 in Kraft getretenen Reformstaatsvertrags. Unter anderem das „direkt“ könnte zum Streitfall werden: Denn die Links am Ende der KI-Texte führen bei Stichproben wiederum auf teils lange Texte – in die Videos eingebettet sind.

https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/news-assistent-vom-br-geht-der-sender-mit-seinem-neuen-news-assistent-zu-weit-1-115570965

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